Der Bestand an Minen in Nord und Ostsee war nach der Kapitulation und dem zwischenzeitlichen Räumen durch die Siegermächte und die restlichen Deutschen Truppen immer noch sehr hoch und stellte somit eine große Gefahr für die Handelsschifffahrt dar. Wöchentlich wurden Minenunfälle in den Nachrichten bekannt gegeben und Opfer beklagt. Die Marineführung der neu aufgestellten Bundeswehr wurde daher vom ehemaligen Verteidigungsminister Theodor Blanck aufgefordert, Minentaucher auszubilden. Die ersten Minentaucherausbilder der Bundeswehr waren KptLt Köhler, OBtsm Westphal und OMt Richardt. Alle Drei hatten 1957 an einem Minentaucherlehrgang in Den Helder und Den Ouver (Holland) teilgenommen, um sich auf die bevorstehende Ausbildung deutscher Minentaucher vorzubereiten. 1958 wurden in der Schwimmhalle in List auf Sylt Rettungsschwimmer und Schiffstaucher ausgebildet. Aus diesem Lehrgang rekrutierte man die ersten Freiwilligen für den am 01.07.1959 beginnenden Minentaucherlehrgang. Aber nicht nur hier wurde nach sportlichen Soldaten gesucht. Quer durch die gesamte Marine wurden Freiwillige für das neue Projekt gesucht. Einheitsführer wurden aufgefordert besonders sportliche Soldaten für die Ausbildung persönlich anzusprechen und nach List zu kommandieren. Zum ersten Waffentaucherlehrgang wurden insgesamt 30 Freiwillige kommandiert, von denen sich 13 als ausbildungsgeeignet erwiesen. Dies war die Geburtsstunde des ersten, damals noch streng Geheimen Waffentaucherlehrganges der Bundeswehr.
Die 13 Lehrgangsteilnehmer des ersten Minentaucherlehrgangs in der Schwimmhalle. Eine bunt gemischte Truppe mit leistungswilligen Soldaten die aus dem gesamten Bundesgebiet rekrutiert wurden.
Die ersten Lehrgangsteilnehmer waren:
Siegfried Hoffmann, Helmut Wüllner, Josef Hansen, Friedemann Otto, Werner-Jochen Stark, Werner Mang, Mathonia, Pausch,Eckerhard Arlt, Ernst Lüttjohann, Werner Langhans, Ernst-Dieter Krull, Paul Denner und Rolf Lichtenberg.
Hier im modernen Schwimmbad der Marineversorgungsschule, wurden die Taucher an allen Tauchgeräten ausgebildet die es zur damaligen Zeit noch gab. Zuerst wurde mit Pressluft,- später an den Sauerstoff und Mischgasgeräten trainiert. Luftanhalten, Notfallübungen unter Wasser, sowie Langstreckenschwimmern und Turmspringen standen auf dem täglichen Dienstplan. Nach erfolgreicher Hallenausbildung ging es dann in den Lister Hafen.
Zu dem "PiPak" Tauchgerät gab es keine Flossen. Der Minentaucher musste leicht nach vorne gebeugt, durch Bleischuhe beschwert, über den weichen Grund gehen. Wenn Gegenstände und Minen gesucht wurden konnten die Lehrgangsteilnehmer nur auf den Knien durch den Schlick krabbeln und Zentimeter für Zentimeter mit den Händen ertasten. Handschuhe die vor Kälte im Wasser schützen sollten, wurden erst in den 60 ern durch die Bundeswehr eingekauft. Man hat die Hände in den Schlamm gesteckt und sich drauf gekniet, wenn es zu kalt wurde! Starke Strömung, Ebbe und Flut raubten dem Taucher die Unterwassersicht! Die "Bloob" (zylindrischer Boje), auf der Wasseroberfläche, die mit einem Seil am Körper des Minentaucher verbunden ist, dient als "Sprachrohr" vom Einsatzleiter zum Taucher und umgekehrt.
Am Anfang der Minentauchergeschichte in der Bundeswehr mangelt es an vielen Dingen. Es gab keine Bootsmotoren, zu wenig Tauchgeräte und nicht genügend Anzüge. Die zahlreichen Tauchgeräte aus dem II. Weltkrieg haben die Siegermächte untereinander aufgeteilt. Erfindergeist und Improvisation stand an der Tagesordnung. Ebenso das Equipment. Es gab keine Taucherhandschuhe. Ein Tauchgerät wurde meist von 3 Tauchern betaucht. Das Große Problem hierbei war, dass das "Pi Pack" Tauchgerät kein Finimeter (Druckanzeige) hatte. Wenn die beiden ersten Taucher zu viel geatmet hatten, ging dem 3 Taucher unter Wasser zuerst die Luft und dann das Licht aus!